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Das Leben des Grafen Federigo Confalonieri
Raamatust
Aus den Vorfrühlingstagen der Einigung Italiens hat Ricarda Huch den Stoff für ihren Roman «Das Leben des Grafen Federigo Confalonieri» geschöpft. Sie hatte schon früher eine Reihe bemerkenswerter Menschen und Schicksale aus dem Zeitalter des Risorgimento in ihren Büchern charakterisiert und erzählt. Nun haben sich die Sonderbilder zu einem Gesamtgemälde gerundet, das auf geschichtliche Treue Anspruch machen darf, aber weit darüber hinaus ins Bedeutende wächst. Gewiss packt uns der verfrühte Kampf des erwachenden italienischen Nationalgefühls gegen die österreichische Fremdherrschaft, gewiss sehen wir in dem mailändischen Grafen und seinen Genossen echte Lombarden, anders geartet als wir und unsersgleichen; aber das politische Lied wird von den tiefen Glockenstimmen menschlichen Leides übertönt, und der südländische Held aus edlem Geblüt, er wird einer der Unsrigen, wir werden heimisch in seiner Seele, und wenn die Tragödie seines Lebens in erhabener Feierlichkeit an uns vorüberzieht, so ist es uns, als wären wir vor etwa 200 Jahren denselben Weg mit ihm gegangen, als hätten wir den Confalonieri längst gekannt, als wären wir sein nächster Freund, vielleicht er selbst gewesen und hätten es nur vergessen gehabt. Dieses tief beseligende Gefühl einer erwachenden Erinnerung ist sehr natürlich, denn der Kern, der Wert von Confalonieris Leben ist unabhängig von Zeit und Ort die alte Weisheit, die jeder erfährt oder ahnt, dass auf den heißen Drang der Jugend ein kühler Abend folgt, und die tröstliche Zuversicht, dass ein warmes Gefühl, eine hohe Gesinnung, eine große Tat niemals verloren gehen, sondern heimlich fortwirken als Leben treibende Säfte im langsam blühenden Baum der Zeit.