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Die Geschichte meines Zeitgenossen
Raamatust
Wladimir Korolenko war nicht nur ein bedeutender russischer Schriftsteller, sondern auch ein unermüdlicher Menschenrechtsaktivist und scharfer Kritiker sozialer Ungerechtigkeit im Zarenreich. In seinem autobiografischen Werk schildert er mit eindrucksvoller Genauigkeit die prägenden Erfahrungen seines Lebens – von seiner Kindheit in der Ukraine über seine Studienjahre bis hin zu seiner Verbannung nach Sibirien aufgrund politischer Aktivitäten. Korolenko wuchs in einem liberal gesinnten Umfeld auf, das seine kritische Haltung gegenüber autoritärer Willkür früh prägte. Als junger Mann schloss er sich der revolutionären Bewegung an und musste dafür schwere persönliche Konsequenzen tragen, darunter mehrere Jahre im Exil.
Die Erinnerungen sind mehr als eine persönliche Lebensbeschreibung – sie geben ein lebendiges Bild des zaristischen Russland im späten 19. Jahrhundert, mit all seinen sozialen Spannungen, politischen Repressionen und kulturellen Umbrüchen. Korolenko gelingt es, sein eigenes Schicksal mit dem seiner Zeit zu verknüpfen. Seine Beobachtungen sind von tiefer Menschlichkeit, Empathie und moralischer Klarheit getragen.
Besonders eindrucksvoll ist seine Darstellung des Lebens einfacher Menschen: Bauern, Verbannter, Arbeiter – sie stehen im Mittelpunkt seiner Schilderungen und werden mit großer Würde gezeichnet. Dabei bleibt er stets ein Chronist mit Gewissen, der seine Stimme gegen Unrecht erhebt, ohne zu moralisieren.
Dieses Werk ist von bleibender Bedeutung, weil es ein selten authentisches Zeugnis eines Lebens im Widerstand gegen staatliche Willkür darstellt und zugleich ein lebendiges Panorama des vorrevolutionären Russlands bietet. Es vereint literarischen Stil mit politischer Schärfe und macht deutlich, wie eng persönliches Schicksal und gesellschaftliche Entwicklung miteinander verwoben sind.